Lebensgeschichten


Lena
… kam mit 18 zu mir. Sie wusste seit Jahren, dass sie Tierärztin werden wollte. Nach dem Abitur hatte sie jetzt plötzlich große Zweifel, ob ein Studium das Richtige für sie wäre. Im einem Gespräch über ihr Horoskop kristallisierte sich schnell heraus, dass Versagensangst dahinterstecken könnte. Saturn, der in unser aller Horoskope auch für unsere Ängste steht, wurde herausgefordert. Wir sprachen über Alternativen, aber am Ende entschied Lena, das Studium zu beginnen, sich ihren Ängsten dabei aber zu stellen, ohne ihnen die Oberhand zu lassen. Sie legte mithilfe eines Coaches Zwischenbilanzen nach festgelegten Zeitschritten fest. So etwas liebt Saturn. Dadurch konnte sie sich tatsächlich ihre positiven Saturn-Qualitäten mehr zu eigen machen und ist auf einem sehr guten Weg durch ihr Studium.

Hans
… war 82, als seine Frau starb. Er hatte sie in ihren letzten Jahren gepflegt und war dabei an seine Grenzen gegangen. Nach ihrem Tod belastete ihn die Einsamkeit und er reagierte auf die jahrelange Anstrengung mit großer Erschöpfung. Jetzt, ein gutes Jahr später, war er körperlich „keine 20 mehr“, wie er es ausdrückte, aber für sein Alter bei guter Gesundheit. Die Einsamkeit drückte nicht mehr so tonnenschwer wie in den ersten Monaten. Er verabredete sich mit Bekannten und ging regelmäßig raus in die Natur. Als wir uns unterhielten, gestand er, dass er eine Aufgabe vermisste. Er erkundigte sich regelmäßig nach ehrenamtlichen Einsatzmöglichkeiten, machte aber selbst immer wieder einen Rückzieher. Er war zunehmend unzufrieden mit sich und seiner Situation. Seine Bekannten und auch er waren überzeugt, dass ihn eine sinnvolle Aufgabe aus der Unzufriedenheit retten könnte. Aber warum nur konnte er sich nicht überwinden, einfach etwas zu tun? Hans erlaubte mir, sein Horoskop zu berechnen.

Als wir uns einige Tage später zum Gespräch über seine Sterne trafen, sagte ich: „Hans, kann es sein, dass sie aus alter Gewohnheit glauben, eine Aufgabe wäre die Lösung für dich, dass das jetzt aber vielleicht gar nicht mehr stimmt?“ In seinem Horoskop wurde der Planet Uranus seit längerem aktiviert. Das bedeutet, dass es Zeit ist, die eigenen Freiräume und Möglichkeiten zu erkunden. Wenn wir so lange „funktioniert“ haben, wie das bei Hans jahrzehntelang der Fall war, kann es ein schwieriges Unterfangen sein, herauszufinden, was man eigentlich möchte, ohne dass man es muss. Genau dafür steht Uranus aber in unseren Horoskopen: Unsere rebellische, unabhängige Seite, die sich nicht fragt, ob das eigene Tun und Lassen jemand anderem gefällt und nützt oder nicht. Mit dem herausgeforderten Uranus war es für Hans nun einfach an der Zeit, herauszufinden, was er ganz unabhängig von den Vorstellungen anderer möchte. Hans beruhigt es, dass ihm die Sterne Recht geben. Denn schließlich sträubte er sich innerlich gegen das Ehrenamt und hatte damit den richtigen Riecher.

Ich habe ihn zuletzt im Stadtpark gesehen, als er ganz melancholisch ein Entenpaar betrachtete, das am Weiher dicht beieinander ruhte. Bevor er mich bemerkte, wendete er aber seinen Blick von den Enten ab in den blauen Himmel und ich sah, wie sich seine Schultern etwas strafften, bevor er aufstand. Seine Augen blitzen als wir uns grüßten. „Frau Wiesner, ich habe eben entschieden, nach München zu fahren. Es gibt dort eine Ausstellung, da malt jemand Tiere auf ganz außergewöhnliche Weise, die will ich mir ansehen. Nichts für ungut, ich will mich beeilen!“ und weg war er. Die Astrologie hat Hans also auf die Idee gebracht, dass seine „Aufgabe“ jetzt darin bestehen kann, herauszubekommen, was Freiheit für ihn bedeutet. Es fühlt sich für ihn richtig an. Für sehr Fleißige kann diese Aufgabe schwer sein, aber nicht unlösbar!

Hendrik
… ist sieben und sehr schlau. Immer schon war er wissbegierig und lerneifrig. Seit Beginn der Schulzeit ist davon wenig übrig. Er wurde immer stiller und verweigerte sich dem Lernstoff. Ein Blick in sein Horoskop zeigte im dritten Haus den Mond in Stier. So lang Hendrik sein Lerntempo selbst bestimmen konnte, fiel nicht auf, dass er sich überdurchschnittlich lange mit etwas beschäftigt – bis er es am Ende dann sehr gut begriffen hat. So sind nun mal Menschen mit Stier in Haus drei. Und immer fasste Hendrik an, womit er sich beschäftigte, das braucht ein Mond-Lern-Kind. In der Schule war das nicht mehr vorgesehen. Gemeinsam mit seinem Opa werden jetzt Bastelspiele für Mathe und Ausschneide-Buchstaben für das Alphabet entworfen. Hendrik hat wieder Freude am Lernen.