Verdauung 2020

Anregungen für Menschen, die die anstrengenden Energie des Jahres 2020 besonders belasten. Was nimmst Du aus dieser Zeit mit? Vielleicht einige Eigenschaften und Erfahrungen, die uns als Menschheit zum Überleben helfen:

Betreffend Pluto, Saturn und Jupiter in Steinbock:

* Leidest Du persönlich sehr unter Ausgangsbeschränkungen, Existenzängsten oder unter Einsamkeit? Was Du aus solchen Phasen lernen kannst ist, mit wie wenig Du im Ernstfall zurecht kommst. Das Leben wird wieder leichter werden, aber Du weißt zukünftig, dass Du karge Zeiten überstehen kannst.

* Hast Du so gelitten, dass Du allein nicht mehr zurecht kamst? Dann weißt Du jetzt, dass Du in der Lage bist, Dir Hilfe zu holen – oder lernst es bitte noch .
Selbsthilfegruppen bei KISS Regensburg
Telefonseelsorge Tel. 0800.1110111
Krisendienst Psychiatrie Tel. 0180 / 655 3000

* Hast Du sehr mit anderen gelitten? Die mit Covid einhergehenden Belastungen haben teilweise unfassbares Leid bei Alten, Behinderten, Kindern aus sozialen Brennpunkten und anderen besonders Belasteten hervorgerufen. Wer hiermit in Berührung kam, hat die Grenzen seines Wirkens oft extrem schmerzlich kennengelernt. Es gehört zur menschlichen Existenz, dass wir manchmal wirklich nicht ausreichend für die Linderung des Leides anderer sorgen können. Wir müssen uns davon abgrenzen, wenn es unsere Fähigkeiten übersteigt. Wenn wir das nicht tun, werden wir auf Dauer unfähig, für uns und auch für andere zu sorgen. Schlaflosigkeit, Depression und Lähmung sind für niemanden eine Hilfe.

Betreffend Neptun in Fische

* Neptun macht dünnhäutig und oft übersteigt das Mitgefühl für andere unsere persönlichen Grenzen. Wir dürfen und müssen dann sogar dafür sorgen, dass wir wieder genug Distanz zum Weltgeschehen und auch zum Leid anderer bekommen. Zu viel Neptun-Fische entgrenzt. Die Folge davon kann sein, dass man meint, persönlich alles Leid der Welt lindern zu können oder zu müssen. Um weiter gut für sich und letztlich auch natürlich für andere sorgen zu können, brauchen wir den Mut, uns einzugestehen, dass wir unsere persönlichen Grenzen haben und diese auch zu pflegen.

* Neptun verwirrt. Das hilft, wenn wir an alten, schädlichen Mustern zu sehr klammern, und verwirrt feststellen, dass diese nicht mehr funktionieren. Wir suchen dann nach Neuem.
Neptunische Verwirrung kann aber genauso Schaden anrichten. Es ist verführerisch und menschlich, sich in Zeiten der Unsicherheit an vermeintliche Fakten zu klammern und sich die Welt „gefühlt“ selbst zu erklären. Verwirrung und Unsicherheit auszuhalten, ohne gleich Schuldige und alternative Fakten zu bemühen – das wäre derzeit hilfreich und angesagt. Neptun destabilisiert. Das Neue kommt hinterher oder nebenbei meist ganz unbemerkt, oft ohne direktes Zutun.
Statt in verwirrenden Zeiten trügerischen Halt bei „geglaubten“ Fakten zu suchen, hilft es, still zu werden. Das Neue ist schon da, es lässt sich aber nicht greifen. Laute Rufe, Beschwerden und Anklagen übertönen die zarten Töne des Neuen.

Zusammengefasst scheint das Gebet von Reinhold Niebuhr genau für unsere Zeit geschrieben, auch wenn da ein paar Wörter vorkommen, die konfessionsbedingt nicht alle gleichermaßen verwenden würden. Ob es der Glaube an einen katholischen Gott oder die Kraft des Universums ist, ob es Sünde oder persönliche Vermessenheit heißt, möge jede*r für sich passend übersetzen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.
Diese sündige Welt anzunehmen, wie Jesus es tat,
und nicht so, wie ich sie gern hätte.
Zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
und im nächsten für immer überglücklich.
  Amen.