Saturn und Pluto überprüfen unsere Strukturen

Von Hühneraugen, Göttern und Verantwortung

Als wir Astrolog*innen kommen sahen, dass sich um den letzten Jahreswechsel Saturn zu Pluto gesellen würde, zogen wir die Augenbrauen etwas nach oben und gleichzeitig die Mundwinkel nach unten. Würde doch die plutonische Überprüfung der Strukturen mit Saturn eine Verstärkung der ganz besonderen Art erhalten – staatlicher ebenso wie persönlicher Strukturen.

Zeit, um Hühneraugen aufzuspüren.

Steinbock und Saturn legen schmerzhaft die Finger in Wunden, wenn mit Verantwortung nicht angemessen umgegangen wurde. Saturn überprüft, ob gewachsene Strukturen und die errichteten Gewohnheiten unserer Leben tragen.

Pluto geht darin noch weiter und lässt uns extrem schmerzhaft fühlen, wenn wir Luft nach oben ließen, weil wir unserer Verantwortung in der Welt nicht gerecht würden. Jupiter gesellte sich als Entwicklungsbeschleuniger ab Ende 2019 noch dazu. Alle zusammen finden wohl immer ungelebtes Potential, Schlamperei, Unnützes, Schädliches oder Provisorien. Sie belassen es ganz sicher nicht dabei, dass wir mit eingezogenen Schultern und verkniffenem Gesicht warten, bis sie vorüber sind.

So konnten wir Astrolog*innen uns also darauf gefasst machen, dass in 2020 etwas geschehen würde, was unseren gewachsenen, saturnischen Strukturen auf die Füße fällt. Und wir wussten, dass hier und dort Hühneraugen lauern, die uns unter dem PlutoSaturnGewicht schmerzhaft aufschreien lassen würden.

Was möchte Steinbock für Dich persönlich tun?

SteinbockQualitäten in einem einzelnen Menschen sorgen dafür, dass er handlungs- und überlebensfähig ist, weil er Verantwortung für sich selbst und für seine Lebenszusammenhänge übernehmen kann. Steinbock sorgt dafür, dass wir über unsere naheliegenden emotionalen Bedürfnisse hinaus ein Stück Tapferkeit entwickeln können. Dieses Stückchen Tapferkeit sorgt dafür, dass sich andere auf uns verlassen können. Es hilft uns dabei, dass wir Erspartes für Notzeiten aufheben und nicht alles sofort verprassen. Steinbock verleiht uns die Fähigkeit, uns für ein angestrebtes Ziel so richtig anzustrengen, auch wenn es gerade keinen Spaß macht.

Steinbock in uns weiß, dass wir unsere Mitmenschen respektvoll behandeln müssen, damit wir denselben Respekt von ihnen erwarten können. Steinbock ist der große Wenn-Dass-Kalkulator in uns. Er beobachtet unsere Wirklichkeit und zieht Schlüsse, Erfahrung und Konsequenzen daraus. Damit verkörpert er eine sehr erwachsene Qualität in uns. Seine Gaben erfordern Zeit und Geduld. Nach und nach entsteht schon zeitlebens auf diese Weise unser inneres Erfahrungsgerüst, auf das wir uns verlassen können.

Was kann Steinbock für unsere Gesellschaft tun?

In einer Demokratie geben wir ein Stück unserer eigenen Verantwortung an Staatsvertreter ab. Das ist effektiv, da sich nicht alle Menschen der Gemeinschaft im täglichen Leben mit der Verteilung von Gemeinschaftsgütern und Regeln des Zusammenlebens beschäftigen müssen. Wir erhalten dadurch ein Stück Freiheit, den Bedürfnissen unseres täglichen Lebens nachzugehen. Die Polizei nimmt Verbrecher fest, die Volksvertreter in Gerichten fällen ein Urteil, Gesetze wurden zuvor im Parlament beschlossen. Dieses Vorgehen hat sich als praktisch erwiesen, da sich Experten herausbilden, die Erfahrung (Steinbock!) mit diesen Dingen haben. Rechtsstaaten kamen damit ab von Selbstjustiz und etablierten ein Stück mehr Gerechtigkeit (Steinbock!) in ihren Gesellschaften.

Was hat jetzt Pluto mit der ganzen Sache zu tun?

Wie alles Menschliche, sind diese Strukturen alles andere als perfekt. Wenn Pluto ein Zeichen durchquert, dann rücken die Unperfektheiten in den Fokus. Pluto fordert in seinen Transiten immer die Entwicklung des vollkommenen Potentials der Sache, die er beleuchtet.

Pluto in Steinbock lässt uns also fühlen, wo wir unserer Verantwortung nicht gerecht wurden. Das ist ein schmerzhafter Prozess. Es wird deutlich, wo überall geschludert wurde, wo wir nachlässig waren.

Was kann passieren, wenn Pluto durch Steinbock wandert?

Es ist menschlich, die Schuldigen jetzt im Außen zu suchen und Sündenböcke durchs Dorf zu treiben. Dieses Verhalten ist ein Effekt, dem sich Liz Green in Ihrem Buch „Schattenseiten der Seele; Extreme Seelenzustände und Astrologie [Chiron Verlag 2003]“ widmete. Unfassbare Ereignisse, Schocks und Überforderungen führen dazu, dass wir Sündenböcke suchen. Minderheiten und Außenseiter eignen sich immer schon hervorragend dafür. Während früherer Pandemien wurden schon mal heilkundige Frauen als Schuldige identifiziert und als Hexen verbrannt. Religiöse und völkische Minderheiten, Ausländer und die mit dem bösen Blick … die menschliche Psyche ist ein kreativer Erfinder von derartigen „Erklärungen“ für Unbegreifliches. Da unser Verstand die hohe Komplexität der Welt schlecht begreifen kann, konstruiert oder übernimmt er gern einfache Ursache-Wirkungs-Erklärungen. Populisten haben daher oft einfaches Spiel, wenn sie einfache Erklärungen für nahezu undurchdringliche Faktenlagen bieten. Jetzt, mit Pluto in Steinbock, ist es vielleicht logisch, dass auch wieder die Mächtigen, die Volksvertreter die Schuldigen und Sündenböcke sein müssen. Auch das ist nicht das erste Mal in der Menschheitsgeschichte. Wenn es früheren Völkern längere Zeit nicht mehr gut ging, Hungersnöte und Krankheiten trotz Opfergaben wüteten, fielen immer auch mal die Mächtigen, die Priester und Schamanen vor dem sie zuvor anbetenden Volk in Ungnade. Rational war das damals so wenig wie heute und es scheint, die Mechanismen sind im Jahr 2020 die gleichen. Es war und ist aber auch ein Ausdruck dafür, dass viele einzelne Menschen mit ihrer eigenen, inneren steinböckischen Struktur in Schieflage gerieten.

Was gilt es dann jetzt konkret zu verändern?

Was sage ich da? Es geht im Kern nicht um Pandemie, nicht um unfähige Regierungen, nein: Es geht um jede*n Einzelne* von uns?

Was haben wir nämlich gemacht? Wir haben unseren Regierungen Macht gegeben. Die praktische Sache hier am Anfang, erinnern wir uns: Experten kümmern sich um Verwaltung, Verteilung, Gesetzesausübung etc. Sollte das ein Fehler gewesen sein? Es kann sich doch nicht jede*r um alles kümmern, oder? Sollen wir wieder mit Selbstjustiz beginnen? Hauen und Stechen um Verteilung von Steuergeldern wäre vorprogrammiert, das Gesetz des Stärkeren statt Gewaltenteilung? Einige rufen da gerade ganz laut: Hört halt auf mich, ich weiß genau, wie es geht! Ein ganzer Chor von Wissenden erklärt uns die Welt, der Ton eher schrill denn wohlklingend. Für wen entscheide ich mich da? Die Frau da vorne aus Berlin, die Impfungen und die Pharmaindustrie abschaffen wird, wenn sie die Macht dazu bekommt? Oder der Mann da drüben im Sudan, der um die Impfration gegen Kinderlähmung für sein Kind kämpft und die moderne Medizin für einen Segen hält? Der Mann, der Anarchie predigt und seine Vorstellung von der Welt durchsetzen will oder die Frau, die gern per Gesetz durchdrücken würde, dass niemand mehr Masken tragen muss? Jupiter im Verbund mit Pluto und Saturn hat diesen Chor der Wissenden schnell schrill und laut werden lassen. Der Kampf um die Meinungsmacht hat sich dazugesellt, Toleranz kennt Jupiter in Steinbock nur, wenn er dabei Recht behält.

Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, ich würde mich für eine einzelne Stimme aus dem aktuellen Chor der Wissenden entscheiden.

Plötzlich stehen jetzt Pluto und Saturn vor meinem inneren Auge und gucken mich herausfordernd aus ihrem steinböckischen Umfeld an. Pluto mit brennenden Augen. Er sagt kein Wort, trotzdem hallt seine Stimme in mir ganz laut mit den Worten. „Nimm Deine persönliche Verantwortung wahr.“ Huch, hat da jemand was gesagt? Dann, etwas meckeriger, ertönt noch eine andere Stimme, als ich Saturn in seine leicht spöttische Mine blicke: „Du kannst Verantwortung nicht einfach abgeben.“

Verwirrende Botschaft aus dem All für mich persönlich!

Na, da muss ich mich erstmal setzen. Botschaft direkt aus dem All. Gut, Leute, es ist meine persönliche Botschaft. Jupiter war nicht dabei, also fehlt der Auftrag, dass das für Euch alle die richtige Botschaft sein muss. Für mich allerdings ist diese Botschaft extrem wichtig geworden. Ich habe nämlich überlegt, was diese plutonisch-saturnische Botschaft für mich ganz persönlich bedeuten kann. Die beiden sprachen nicht davon, dass ich eine neue Weltregierung errichten oder selbige fürchten müsste. Sie sprachen nicht davon, ich solle die Welt höchstselbst aus den Angeln heben. Die beiden Stimmen sprachen von meiner eigenen, persönlichen Verantwortung und haben mich mittlerweile echt auf Ideen gebracht.

Vom Kleinen zum Großen.

Eine Regierung an sich ist nicht das Problem. Allerdings bildet der menschliche Faktor der Mandatsträger*innen die Schwachstelle. Eine Regierende ist kein Archetypus, ist also kein archetypischer 100%ig verantwortungsvoller Steinbock. Deshalb müssen wir die Regierenden kontrollieren. Mächtige unterliegen immer der Gefahr, in eigene Taschen zu wirtschaften, Macht zu missbrauchen etc. Das werden wir nicht ändern, auch wenn wir einem vielversprechenden Populisten, einer vielversprechenden Weltverbesserin oder einem anderen Menschen hinterherlaufen, der uns das Blaue vom Himmel verspricht und die Weltenlage plausibel und einfach erklärt. Wir dürfen Menschen wählen, aber wir müssen ihnen auf die Finger schauen, Kontrollinstanzen einfordern und nutzen. Wir müssen uns demokratisch auseinandersetzen, dabei steinböckische Tapferkeit und Ausdauer an den Tag legen. Schau auf Dein eigenes Leben. Wo hast Du die Dinge laufen lassen und nur gemeckert, ohne Dich zu engagieren? Wo hast Du versäumt, Dich mit dem echten Leben auseinanderzusetzen? Wo hast Du lieber von einer besseren Welt geträumt, als die mühevolle Aufgabe zu übernehmen, Dich einzumischen?

Unsere irdische Wirklichkeit ist steinböckisches Feld.

Saturn, der Herrscher von Steinbock, hat seinen Vater Uranus entmannt. Erst dann ist Leben möglich geworden. Zuvor hat Uranus, der erste Gott, alle seine Kinder getötet, weil sie nicht perfekt genug waren. Saturn hat es geschafft, Leben Wirklichkeit werden zu lassen. Mit dem Unperfekten müssen wir seither leben.

Ich hoffe so sehr, dass wir Menschen die aktuell noch herrschende spannungsvolle Steinbock-Energie nutzen, um unsere eigene Verantwortungsbereitschaft, unseren Umgang mit der Verantwortung füreinander neu zu entdecken. Denn dafür steht Steinbock in erster Linie.

Die geballte Wassermann-Energie ab dem Jahreswechsel vergrößert die Gefahr, Uranus´ alter Ideologie aufzusitzen, eine Welt müsse perfekt sein (denn Uranus ist der Chef der Wassermann-Energie). Die Chefideologen aller Lager hätten im Januar ihre Freude. Wir brauchen steinböckisch machbare Veränderungen, wenn wir nicht Handlanger von Uranus unmenschlicher Zerstörungswut sein wollen.